THY CUP 2019

Ich habe das Wort „entspannt“ gehört

Moin, liebe Leute, ich möchte einmal kurz einen Turniertag zusammen fassen, so wie wir ihn schon oft bestritten haben. Ich beschreibe auch nur die ersten 24 Stunden ab der Abfahrt und nicht, was sonst noch so alles passiert war (aber auch das war nicht ohne, z.B. alle Weihnachtstage um die Orga gekümmert).

Es geht los

5:15 Uhr aufstehen, noch ein bisschen packen, war ja gestern keine Zeit mehr… Um 6:30 Uhr kommt der erste Spieler, hoffentlich kommt er pünktlich. Alles eingepackt? Eis, Tape, Salben, Getränke, alle Flaschen, Gallone, Creme, Magnesium, Bandagen und eine große Packung Hoffnung.

So, der Spieler ist rechtzeitig da, Brötchen sind geschmiert. Mist, wollte eigentlich um 6:50 Uhr los, nun ist es schon 7:00 Uhr, na die Planung fängt ja gut an. Abfahrt! Uups, wo sind die Unterlagen für die Abholung des VW Busses, ach ja, hatte ich schon eingepackt. Bei Sixt angekommen. Toll, so früh da und zwei Leute vor uns, was machen die hier, passt nicht in meinen Plan. 7:30 Uhr bin ich dran. „Ihre Kollegin hat gesagt, wir bekommen einen Bus mit großem Kofferraum.“ „Davon weiß ich nichts, muss ich mal gucken, wir können ja erst die Papiere fertig machen.“ OK.

Bitte einmal 967,- €! Ich??? Ja, mit Kaution und vollem Tank, aha, na gut, Ute, komm mal bitte, ich brauch die Karte. Oh, der Bus ist nicht vollgetankt, muss noch gemacht werden. 7:55 Uhr, Anruf: „Wo bleibt ihr?“ „Bin noch bei Sixt, der Bus muss noch betankt werden.“ 8:00 Uhr, Anruf: „Wo bleibt ihr denn?“ „Sind gerade unterwegs zum Tanken.“ 8:10 Uhr endlich da, erste Begrüßung: „Wo bleibt Ihr denn?“ Eine Mutter kommt und bedankt sich: „Toll, dass du einen Bus mit so viel Kofferraum bekommen hast.“ Gut, nun Gepäck einladen, Jungs zusammenholen und dann schnell los, wir sind ja viel zu spät. Dann aus einer Richtung: „Wo müssen wir eigentlich hin?“ Hatte, was für ein Glück, im Vorwege alles bei Google Maps gespeichert, „hier müssen wir hin“, Treffpunkt aber erst einmal Harrislee. „Warte zeige ich dir“. „Nee, brauchst du nicht, die iPhone-Karten sind besser als die von Android“, ich geh in den Bus, und wir fahren los. Puuh, endlich unterwegs, ich war ja viel zu spät!

Nun, erst einmal so ein neumodsches Fahrzeug begutachten. Ui, sind das viele Knöpfe, naja, brauch ich bestimmt nicht alle …Blitz! Scheiße, war wohl zu schnell, der Tag beginnt nach meinem Geschmack.

A7 Richtung Flensburg ist keine Geschwindigkeitsbegrenzung, der Wagen fährt klasse, super ruhig. Ruhig? Ach ja, da war noch was. Kann ich mich mit Bluetooth verbinden? Was für ein Glück habe ich einen tollen Beifahrer, der regelt das. Die nächsten knappen zwei Stunden mit 380 Dezibel Massiv, Haftbefehl, Automatikk, Chaker, Manuellse, Farid Bang, King Orgasmus One, Money Boy und wie sie nicht alle heißen. Meine Gedanken schwinden dahin, vielleicht einmal „Hoch auf dem gelben Wagen“ zu hören. Bordesholm …Blitz! Na hoffentlich war das der Wagen vor mir, mein Co-Pilot ruft alle anderen Fahrer an und warnt sie. Der Tag beginnt und verläuft also weiter nach meinem Geschmack.

10:00 Uhr Scandinavian Park, schön leise hier so an der Autobahn. Kurze Pause und weiter, ich war ja zu spät.

Ab in die Dröhnbude, der VW Bus fährt echt leise, höre nur nichts davon. Jetzt nur noch 3,5 Stunden. Anruf: „Wo müssen wir eigentlich hin?“ Gut, einiges muss man ignorieren, die Kolonne fährt stabil zwischen 120 und 130 km/h. Dänemark ist schön und flach, die Kolonne fährt. Bei Herning ist die Autobahn zu Ende. Die letzten 120 km reißen wir auf der linken Arschbacke ab, sind ja nur noch 1,5 Stunden. Hätte vielleicht beim Scandi Park nicht den großen Kaffee nehmen sollen, sag aber nichts und atme flach.

Endlich fragt jemand anderes, ob wir eine Pinkelpause machen können, ich stimme sofort zu. Dänemark, Landstrasse, keine Rastplätze mit WC. Wir fahren kurz ab, ich sehe eine große Wiese. Viele sind froh, ich auch, stehe am Busch, die Wiese ist riesig und matschig, denke mir nichts dabei, dass mein linker Fuß ein wenig mehr rutscht, guck nach unten, stehe in einem Hundehaufen, na toll. 20 Leute kommen zurück zu den Autos ohne Matsch an den Schuhen, vielleicht ein wenig Dreck, aber ich muss ja in so einem Geschäft einer Bordeauxdogge stehen und pinkeln. Bin dabei, mein Schuh sauber zu machen, kommt von hinten: „Nun aber weiter!“ Ich sage nichts, war ja eh schon morgens zu spät. Wir fahren weiter. Es dauert keine Minute, da riechen meine Mitfahrer, dass etwas nicht stimmt. Ich enttarne mich als Übeltäter, und alle versuchen, die Hunderasse zu raten, mit der ich Kontakt hatte. Als dann aber über das Hunde-Happihappi diskutierten wurde, wird meinem Co-Piloten schlecht. Die Kolonne fährt.

Ankunft 14:00 Uhr Thyhallen

„Nils, kommst du, wir müssen uns anmelden!“ Alles klar, Anmeldung reibungslos. „Nils, wo müssen wir jetzt hin?“ Bin vorbereitet, läuft. „Nils, wie ist es mit den 2001ern?“ Bin doch nicht vorbereitet. Gehe mit dem dänisch sprechenden Spieler zurück zur Anmeldung. Zwei Autos fahren vor, nachdem ich ihnen die Adressen unseres Spielortes und der Übernachtung gesendet habe, ich glaube, das zweite Mal, keine Ahnung, habe ja nur Android. Sämtliche uns genehmen Kombinationen unserer 2001er werden von der Turnierleitung (spricht deutsch) nicht akzeptiert.

So, nun auf zum Auftaktspiel. „Nils, wo sind die Leihsportsachen für die Spieler?“ Hab ich dabei. Nee, der brauch kein Aufwärmshirt, der andere nur ein blaues Trikot, und was soll der denn jetzt mit einer Trainingsjacke, wo ist die weiße Hose, ich habe noch drei schwarze mit. Ich komme durcheinander. „Nils, in welche Halle müssen wir?“ Was für ein Glück gibt es nur eine, die Spieler suchen eifrig nach einer zweiten, warum? Ich frage nicht. „Nils, wir müssen das noch mit den Mannschaften besprechen!“ Es ist 14:35 Uhr. Um 15:20 Uhr soll das erstes Spiel beginnen.

„Nils, wie lange geht eine Halbzeit?“ Ich schaue nach und finde es nicht, doch nicht so gut vorbereit, wie ich dachte. Gehe zum Kampfgericht und frage nach. „Ich weiß es, zweimal 18 Minuten“, ja, das habe ich jetzt auch herausgefunden. Na gut, ist zumindest das gleiche Ergebnis.

Das Spiel beginnt, und die Jungs haben weder die Getränkeflaschen, noch die Flüssigkeit für die Flaschen, scheiß Orga. „Wo ist Nils?“ „Jungs, tut mir Leid, mache ich nach dem Spiel, OK?“ Irgendwie rinnt mir die Zeit durch die Finger, warum habe ich nicht daran gedacht? Nun der normale Ablauf: „ich habe meine Bandage vergessen“, „ich glaube, ich habe meine Hose nicht mit“, „finde meine Schuhe nicht“ usw. Bin nun dabei, die Getränke zu mixen. Alles dabei: Vitamine, Mineralien, Salze, Eisen und Magnesium. „Nils, wann spielen wir?“ „Nils, wie lange haben wir jetzt Pause?“ Ich antworte auf alle Fragen, und während ich merke, dass einige Spieler oft irgendwelche Fragen stellen, muss ich darauf achten, ob diese doppelt gestellt werden oder ob es immer unterschiedliche sind. „Wann gibt es Essen?“ „Fahren wir noch in die Halle, in der wir schlafen?“ Mein Handy läuft heiß, und die Gigabytes verschwinden. „Wann gibt es Essen?“ Da, da, da war es doch, der Spieler stellt mir die Frage zum dritten Mal. Ich hatte sie natürlich den anderen 12 auch schon beantwortet, was soll ich machen. „Sag mal, du hast mir die Frage doch eben schon einmal gestellt.“ „Ja, habe ich aber vergessen.“ Ach soooo! Ich gehe wieder in die Halle, werde von einem Spieler gefragt, ob ich seine weiße Hose gesehen habe, ein anderer fragt, ob ich seine Trainingsjacke eingesteckt habe, check. „Nils, hast du Tape?“ Bin jetzt schon 5 Meter in die Halle gekommen, sehe in 12 Metern meinen Stuhl, und ich glaube an mich.

Am Abend, die Spiele sind vorbei

Die 2mA muss jetzt duschen und ab zum Abendessen, ach wohin eigentlich, „Niiiiils!“ Telefoniere mit dem Turnierausrichter, da wo die Anmeldung war, alles klar, wird weitergegeben. Über mein Navi verliere ich kein Wort mehr, habe ja Android und die Karten vom iPhone sind viel besser. 3 Wagen fahren schon vor, ich warte auf die 2mA, animiere sie zum Fast-Showering. Renne noch einmal durch die Halle, um zu gucken, ob was liegen geblieben ist. Finde ein Aufwärmtrikot, T-Shirt, ein Paar Socken und einen Pullover. Socken lasse ich liegen, die stinken wie hulle. OK, T-Shirt gehört nicht uns (steht etwas in Dänisch drauf), laufe zurück in die Halle und gebe es ab. Anruf: „Wo bleibst du denn, du hast die Essensmarken!“ Traue mich gar nicht zu sagen, dass ich noch vor der Halle stehe. Fahre mit mittlerer Lichtgeschwindigkeit zum Essen. Essensmarken dabei, check. Höre von irgendwo in meinem linken Ohr „tolle Orga“, weiß aber nicht, ob es ironisch gemeint war, lass es aus dem rechten wieder raus. Dafür, dass es nur bis 21:00 Uhr Essen geben soll und ich mich beeilen musste wie Sau, ist die Kantine noch ganz schon voll, na gut, habe kein Rotlicht gesehen, wer weiß.

Letzter beim Essen, höre schon von der Seite: „Dann können wir ja los“. Ich drehe mich zu allen Seiten um und suche die Kamera. Merke gerade einen leichten Druck in den Schläfen, zu wenig getrunken, schöner Scheiß. „Niiiiils, wo müssen wir jetzt hin?“, suche die Adresse von der Schule raus, mein Navi… ach egal.

Wir kommen in der Schule an, alle reden über mein Schnarchen. Es wird diskutiert, ob ich nicht doch besser auf dem Flur oder zumindest irgendwo draußen schlafen soll. „Du hast doch die elektrische Pumpe mit, oder?“ „Wo ist meine Matratze?“ Ich baue mein Bett schon einmal neben der Tür auf, zumindest noch im Klassenraum, denke aber, so habe ich es einfacher, falls ich rausgeworfen werde. „Können wir noch einmal die Gallone auffüllen?“ „Wo ist die eigentlich?“ Gehe nach oben zum Bus und hole sie. „Nils, gibt es hier eine Halle?“ „Wo sind die Duschen?“ „Hast du die Herrentoilette gesehen?“ Ich fühle mich, als hätte ich hier schon viermal in den Sommerferien 3 Wochen Urlaub gemacht. „Wann ist Frühstück?“ (7 mal) „Wann müssen wir morgen aufstehen?“ (27 mal) „Wann haben wir das nächste Spiel?“ Ziehe mir ein Stuhl neben mein Bett (immer noch im Klassenraum) und setze mich. „Wann müssen wir morgen aufstehen?“

„Können wir noch einmal raus?“ Viele sind weg, nun wird der Tag Revue passieren gelassen und der morgige geplant. „Spielen wir in der gleichen Halle?“ „Wann müssen wir dann aufstehen?“ OK, ich schalte ein Gang runter. Die Jungs sind versprengt in alle Richtungen auf unbekanntem Gelände. „Aber ab 24:00 Uhr sollten sie doch im Zimmer sein, Nils?“ Äh, ich bin da, war wohl die Aufforderung, dies den Jungs mitzuteilen. Ziehe los und verlaufe mich, allen die ich treffe, sage ich, um und bei 24:00 Uhr sei Schlafenszeit. Huch, habe dies auch einem dänischen Trainer gesagt, der deutsch spricht, und erkläre ihm, dass ich mich vertan habe. Finde unseren Klassenraum um 00:15 Uhr wieder, bin zu spät, Klassenraum halbvoll. Einige liegen schon und schlafen. „Nils, wo sind die anderen, hast du Bescheid gesagt?“ Der dänische Trainer kommt in unseren Klassenraum und fragt, ob er bei uns schlafen soll.

Ich ziehe wieder los und benachrichtige die Jungs, sonst gibt es Ärger. Ich gehe langsam in den Klassenraum lege mich still und leise auf meine Matratze und bete, dass ich nicht draußen schlafen muss. Wer macht das Licht aus? Naja, muss sowieso nochmal auf Klo.

Gute Nacht, Johnboy

Mitten in der Nacht schubst mich, nach Aufforderung, mein Sohn von meiner Matratze. Ich schreie, weil ich denke, die Russen kommen. Habe wohl zu laut geschnarcht. Kann eine Stunde nicht mehr einschlafen, muss auch nochmal auf Klo. Sind jetzt noch 1,5 Stunden bis zum Aufstehen. Schlaf gut, Nils, jetzt nur noch zwei Tage, und der erste Tag war ja bereits ein sehr entspannter.

Danke an die schöne Zeit!